Viele Komponisten erleben das bestimmt sehr ähnlich: manche Stücke „fließen“ sozusagen durch einen hindurch, sie passieren einfach. Das vorliegende Stück wollte offensichtlich in die Welt und es freut mich, dass ich gar nicht anders konnte, als es aufzuschreiben.
… ist ein ganz tief empfundener Wunsch nach Glück.
Diese Komposition entstand im Frühjahr 1999 – in meiner damaligen Wohnung „Contrescarpe 1“ (Vechta) – während der Vorbereitung für einen Auftritt im Rahmen der Examensfeier des Faches Gerontologie* an der „Hochschule Vechta“ (UNI VECHTA).
* Einer der Redner, ein Altenpfleger mit jahrzehntelanger Berufserfahrung, sagte bei der Examensfeier einen wirklich markanten Satz: „Es gibt keine schwierig gewordenen Alten, sondern nur altgewordene Schwierige.“ Inzwischen kann ich nachempfinden, was er damit ausdrückte, da ich seit 2021 selbst ein „pflegender Angehöriger“ bin. Zum Glück ist die zu pflegende Person – meine Mutter – diesbezüglich allerdings sehr pflegeleicht. Aber der Wunsch, die Sehnsucht nach Glück, das Geborgensein und das ganz einfach jemand da ist, der sich um alles Notwendige kümmert, ist nun tatsächlich eine tägliche Erfahrung. Die ich zu schätzen gelernt habe!
Alle Infos zu weiteren „Kompositionen für Marimba-Solo“ und noch mehr Musik für „Mallets und Percussion“ gibt es unter dem Menüpunkt „Komposition“ in der Navigation. Welche Atmosphäre auf ein Blatt Papier geschriebene Noten – insbesondere mit einem Charakter wie der hier vorliegenden Musik – hervorbringen, liegt ja auch an der Sensibilität des vortragenden Musikers.
Aus einer Besprechung in den „Percussive Notes“ (Publikation der „Percussive Arts Society“, USA 2004) habe ich hier ein Zitat von Terry O’Mahoney über „Sehnsucht“ angefügt, welches ich unter Zuhilfenahme von „deepl.com“ in die deutsche Sprache übersetzen konnte.
Besprechung in „Percussive Notes“ (USA 2004)
Der Komponist erklärt, dass „… der eigene Stil des Künstlers das Tempo bestimmt und offenbart, was zwischen den Zeilen steht …“, was einen großen Interpretationsspielraum lässt. Es gibt keine Dynamikangaben oder Angaben zur Stabwahl, das empfohlene Tempo beträgt M.M. = 58. Das Stück sollte wahrscheinlich rubato gespielt werden, wobei der Interpret nach maximaler Ausdruckskraft streben sollte.
Das etwa achtminütige Stück fordert die Spieler mit den arpeggierten Abschnitten heraus, lässt ihnen aber während der lang gehaltenen Akkordpassagen etwas Zeit zum Verschnaufen. „Sehnsucht“ vermittelt wirklich ein Gefühl von Sehnsucht und Traurigkeit und eignet sich hervorragend als Konzertstück für fortgeschrittene Spieler.“
Terry O’Mahoney · Jazz & Classical Percussion
Ganz bestimmt haben „Sehnsüchte“ von Mensch zu Mensch eine etwas andere Ausrichtung. Das Musikstück für Marimba-Solo, um das es hier geht, entstand in einem Kontext, bei dem die Pflege älterer Menschen im Mittelpunkt steht (siehe oben), woraufhin sich ein musikalischer Tonzauber entfaltete, welcher dieses spezifische Thema in mitfühlender Wertschätzung betrachtet.
? Notenausgabe (2002) · Fehler entdeckt !
SEHNSUCHT · Notenseite 5: In Takt 61 muss das zweite Triolenachtel der zweiten Viertelnote ein „Ais“ sein.
In der Notenausgabe (2002) von Sehnsucht steht in Takt 61 (zweites Triolenachtel der zweiten Viertelnote) ein „A“ und es erklärt sich eigentlich aus dem Kontext, dass der Ton ein „Ais“ (siehe Bild) sein muss. Dennoch habe ich den Fehler hier dokumentiert, weil mir selbst die Noten aktuell nur als PDF vorliegen. Für die Veröffentlichung im Jahr 2002 habe ich es mit Finale notiert, was ich jedoch schon sehr lange nicht mehr benutze und wegen eines einzigen Fehlers die Noten ganz neu – mit Sibelius – zu setzen, macht natürlich Arbeit, wofür ich momentan keine Zeit habe.
Die Grundtonart des Stückes ist „Cis-Moll“, wobei durch modulierende Harmonien überraschende Einblicke ins Licht gerückt werden. Der Wechsel zwischen arpeggierten Akkorden – mit triolischen Figuren, die sehr agogisch zu spielen sind, aber doch beinahe walzerhaft wirken können – und eindringlichen Tremolo-Passagen sorgt für eine starke gefühlvolle Bewegung.
Besonders bemerkenswert ist vielleicht noch der „Cis-Dur“-Schlußakkord (ab Takt 108), der mit einer schwebenden None (= Sekunde) aufwartet. Der Akkord sollte beruhigend tremoliert werden, womit das Stück auf eine friedvoll (ent)spannende und wohltuende Weise endet.





Kommentar schreiben!